SOPHIE DVOŘÁK


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Das Kästner-Kolibri-Kontinuum
Wolfgang Pichler

Sehr charmant und dadaistisch erscheinen die enzyklopädischen Collagen der 1978 in Wien geborenen Künstlerin Sophie Dvořák auf den ersten Blick. Bei näherem Hinsehen allerdings wird einem klar, dass es sich wohl eher um eine – gäbe es soetwas – gezähmte aber auch verfeinerte Variante von DADA handelt. Die an Hanna Höch oder Kurt Schwitters erinnernden Werke sind dermaßen akkurat komponiert und gefertigt, dass bei aller Verspieltheit doch der Eindruck einer durchwegs soliden Arbeit vorherrscht. Diese detailverliebte Hingabe passt allerdings auch viel besser zu den aus diversen Lexika ausgeschnittenen Figuren und Objekten, welche ganz im eigentlichen Sinn eines solchen Werkes streng nach Anfangsbuchstaben getrennt, zu leider in diesen Büchern nicht üblichen fantastischen Formen gruppiert werden. Da findet sich Erich Kästners Kopf auf einer Kiwi, die wiederum auf einem Knochen zu stehen scheint, von einem Kolibri wie eine Blüte anvisiert. Aber auch Baudelaire und Beauvoir, sehr logisch aus einem Buch entschlüpfend und eine Adler-Affenbande ganz am Anfang.

Nachdem man einmal eine Zeit lang versucht hat, diverse Persönlichkeiten und Tiere auf den Collagen zu benennen, liegt das eigentliche Vergnügen allerdings in der farblich und kompositorisch sehr feinen, geradezu fragilen Ästhetik, die einen wesentlichen Unterschied zu den anfangs zitierten Vorbildern aus dem frühen 20. Jahrhundert darstellt.

Zu schade nur, dass es anscheinend aus Platzmangel nicht möglich war, das gesamte Alphabet chronologisch auszustellen. Wobei sich – wie auch bei den Bildern selbst – hier die Frage stellt, ob dies nicht bewusstes Spiel mit dem Bruch des enzyklopädischen Ideals ist, welches in einer „vernetzten Welt“ vor allem als gedrucktes Lexikon so und so anachronistisch ist. Und wie so oft ist es die Kunst, die – beispielhaft und in kaum zu übertreffender Prägnanz – den bereits vollzogenen Niedergang des klassischen Nachschlagewerkes dokumentiert und gleichzeitig die Faszination, welche es auszuüben vermochte, nachempfindbar macht.

erschienen 2014 im artmagazine.cc anlässlich der Ausstellung Aa–Zy | Von der Poetik des enzyklopädischen Bildes im MUSA


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